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Aschermittwoch - Prioritäten

Denken Sie auch manchmal: Ohne mich würde hier nichts laufen? Wenn nicht ich alles im Blick hätte, dann ginge so manches schief. Zuhause zum Beispiel: die Familie würde im Chaos versinken, wäre ich nicht da. Oder im Beruf: die anderen machen doch alle nur krank, wäre ich nicht, die den Laden zusammen hält. Da drängt sich der Gedanke auf: „Alles Idioten hier, außer mir selbst!"

Doch dann, wer hat das nicht schon mal erlebt, kann man auf einmal nicht mehr so, wie man will. Entweder man ist krank, oder man muss aus einem anderen Grund einen Schritt zurückzutreten. Und plötzlich wird klar: Vieles läuft auch ohne mich weiter. Besonders Menschen, die schwer krank geworden sind und nicht mehr lange zu leben haben, sagen das oft: Die Welt dreht sich weiter, auch ohne mich.

 

Wie schön wäre es doch, wenn man nicht immer erst krank werden müsste, um zu realisieren: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst." Diese Worte begleiten das Aschenkreuz, das uns gleich auf die Stirn gezeichnet wird. Aschermittwoch und das Aschekreuz erinnern an etwas, das vielen von uns sonst erst durch schwere Krankheiten klar wird: Ich bin Staub.

Früher wurde diese Botschaft oft missbraucht, um die Menschen klein zu machen. Sie sollten sich den Machthabern, zum Teil auch der Kirche unterwerfen. „Du bist ja nur ein kleiner Mensch, du bist nur Staub“, hieß es dann. Dabei haben die Machthaber aber vergessen, dass sie selbst auch nur Staub sind. Selbst Trump oder Putin sind eigentlich nur Staub. Der einzige, der kein Staub ist und nicht zum Staub zurückkehrt, ist … Gott.

 

„Ohne mich würde hier nichts laufen“, denken wir oft. Wenn wir dann krank werden, merken wir schmerzlich, dass das nicht stimmt. Zutreffender ist: „Ohne Gott würde hier nichts laufen.“ Deshalb sollen wir in der Fastenzeit auf manche staubigen Sachen verzichten – Dinge, von denen wir denken, das wir ohne sie nicht leben könnten. Brauche ich wirklich jede Minute das Smartphone, jeden Tag Fleisch, jeden Monat ein neues Kleidungsstück? Die Fastenzeit will uns mal wieder zurechtruckeln, unsere Prioritäten geraderücken und den Blick auf das Wesentliche schärfen.

Denn was wirklich zählt, begreifen wir oft erst viel zu spät.

Amen.