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Gründonnerstag - Lass mich wenigstens...

   

Stellen Sie sich vor, es ist Ihr Geburtstag. Ein Freund kommt vorbei und überreicht Ihnen ein riesiges, teures Geschenk. Sie freuen sich – aber im selben Moment schießt Ihnen ein Gedanke durch den Kopf: „Mist, was schenke ich ihm jetzt zurück? Das war viel zu teuer. Jetzt stehe ich in seiner Schuld.“ Übrigens: Pfarrer erhalten auch manchmal viel zu große Geschenke, bei Taufen oder Beerdigungen.

Wir Menschen hassen es, in der Schuld von jemandem zu stehen. Wir hassen es noch mehr, bedürftig auszusehen. Deshalb sagen wir oft Sätze wie: „Das wäre doch nicht nötig gewesen!“ oder „Lass mich wenigstens den Abwasch machen!“ Wir sind stolz darauf, wenn wir uns selbst versorgen können und nicht auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

Warum? Weil Geben uns Macht verleiht. Wer gibt, ist oben. Wer empfängt, ist unten. Und genau dieses Machtgefüge tritt Jesus am Gründonnerstag mit Füßen.

 


Ich merke das selbst immer öfter. Früher war ich der Jüngere, der Lernende. Wenn ich mit meiner Familie essen war, war klar: Die Rechnung geht an mir vorbei. Ich war der Empfänger.

Heute hat sich das Blatt gewendet. Beim Eis mit Jugendlichen ist klar: ich bezahle! Und ich muss ehrlich sein: Diese Rolle fühlt sich gut an. Sie gibt mir ein Gefühl von Souveränität und Stärke. Wer gibt, hat die Kontrolle. Wer gibt, ist der 'Macher'. Aber genau hier liegt die Gefahr: Wir gewöhnen uns so sehr an die Rolle des Gebenden, des Versorgers, des Starken, dass wir verlernen, wie man bedürftig ist. Wir werden 'zu erwachsen' für die Gnade.

 


Petrus beobachtet, wie Jesus einem Jünger nach dem anderen den Schmutz von den Füßen wäscht. Als Jesus bei ihm ankommt, platzt es aus ihm heraus: „Herr, du wäschst mir die Füße?“ Und als Jesus bejaht, setzt Petrus noch einen drauf: „Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen!“

Das klingt nach tiefer Ehrfurcht, ist aber eigentlich eine Revolte. Petrus will das Bild des starken Meisters bewahren, damit er selbst als starker Jünger danebenstehen kann. Wenn Jesus sich zum vor ihm hinkniet, wird Petrus gezwungen, seine eigene Bedürftigkeit einzugestehen.

Jesus antwortet ihm fast schon drohend: „Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir.“

 

Gründonnerstag richtet sich gegen jeden Stolz:

       Brot wird für uns gebrochen. Wir können nichts dazu beitragen.

       Füße werden uns gewaschen. Wir können nichts vorweisen.

Wir stehen nicht stark vor Gott – wir sitzen mit leeren Händen da.

 


-      Probieren Sie in der nächsten Woche doch einmal aus, jede Hilfe, die Ihnen angeboten wird, sofort und ohne Rechtfertigung anzunehmen. Wenn die Nachbarin fragt: „Soll ich Ihnen was mitbringen?“, sagen Sie nicht: „Ach nein, geht schon“, sondern: „Ja, danke, das würde mir heute wirklich helfen.“ Erleben Sie, wie sich das anfühlt: die Kontrolle abzugeben und jemand anderem die Freude am Geben zu schenken.

 

-      Probieren Sie doch mal aus, jemanden reinzulassen, der an der Tür geklingelt hat, obwohl es gerad nicht perfekt aufgeräumt ist. Lassen Sie den Stapel Post auf dem Tisch und das Geschirr in der Spüle. Zeigen Sie sich mit Ihrem „Staub“, so wie Petrus seine schmutzigen Füße hinhalten musste. Wahre Gemeinschaft entsteht nicht dort, wo alles glänzt, sondern dort, wo wir uns gegenseitig in unserer Unfertigkeit aushalten.

 


„Gründonnerstag lädt uns ein, unsere Macher-Fassade abzulegen. 

Das Abendmahl ist der Ort, an dem wir alle – egal ob Paten, Chefs oder Familienoberhäupter – wieder zu dem kleinen Kind werden, das mit leeren Händen am Tisch sitzt. 

 

·  Brot wird gebrochen – für uns.

·  Füße werden gewaschen – an uns.

·  Gnade geschieht – ohne uns.

 

Können wir das noch? Bedürftig sein?