Wir wollen doch alle gern schön sein! Bevor wir unter Menschen gehen, machen wir uns doch alle schick. Falten werden weggecremt, graue Haare werden gefärbt und schlechte Angewohnheiten werden totgeschwiegen. Ob bei den zukünftigen Schwiegereltern oder dem neuen Arbeitgeber: wir präsentieren uns von unserer Schokoladenseite. Was sollen sonst bloß die Leute denken? Die Social-Media-Kultur hat das nur noch verstärkt: tausende Fotofilter ermöglichen die bestmögliche Außenpräsentation. Damit mein Leben zumindest in den Augen anderer wertvoll und erstrebenswert erscheint.
Jesus zeigt sich heute nicht in seinem strahlenden Christkönigsoutfit. Er geht als blutiger Sündenbock auf die Straße. Alle Leute sehen, was er erleidet. Klar, er war nicht selbst Schuld an seiner Misere. Aber was nutzt das schon, wenn die am Straßenrand das nicht wissen oder bezweifeln? Was da wohl die Nachbarn gedacht haben? „Das ist doch der Sohn von Maria und Josef, oder? Was der wohl angestellt hat, dass er sogar gekreuzigt wird?“
Der Karfreitag wirft uns auf die Realität zurück. Der Karfreitag verweist uns auf das, was hinter allen Beschönigungen und Fassaden steht. Und der Karfreitag fragt an: Was mache ich eigentlich, wenn mir dieser schöne Schein irgendwann entgleitet? Was mache ich, wenn mein Leben plötzlich Brüche bekommt? Wenn es mir wirklich schlecht geht? Wenn mir Dinge passieren, die so gar nicht geplant waren? Wenn ich vor den Nachbarn wirklich schlecht dastehe? Ein Autounfall, bei dem ich für den Tod eines anderen verantwortlich bin. Eine schwere Krankheit einer Verwandten, weil ich sie nicht schnell genug ins Krankenhaus gebracht hab. Der Bankrott der Familie, weil ich das Geld am Spielautomaten oder in der Kneipe verzockt habe. Dann geht’s einem was an.
Viele fangen dann an zu lügen. Nach außen wir eine schöne Geschichte erzählt, damit es alles nicht ganz so schlimm wirkt. Eigentlich war ich ja gar nicht selber schuld an der Misere, und ganz so schlimm ist es ja auch gar nicht. Kennen Sie solche Leute? Machen Sie es selbst so?
Wir blenden unsere Brüche gerne aus. Wir würden am liebsten auch den Karfreitag ausfallen lassen. Doch der Karfreitag ist wichtig.
1. Es gibt kein Leben ohne Brüche. Für niemanden. Auch wenn wir alles daran setzen. Sogar Jesus – den wir als Gott auf Erden glauben – hatte einen riesigen Bruch. Der wurde gekreuzigt! Da hat kein Instagram-Filter mehr geholfen. Kein Anti-Falten-Creme. Die Kreuzigung war einfach nur hässlich.
2. Das zweite, was der Karfreitag zeigt: in diesen Brüchen liegt ein unendlicher Wert. Als Thomas im Evangelium Jesus sieht, will er seine Wunden berühren. Ja, die Wunden sind noch da. Das Leben ist kein Friede-Freude-Eierkuchen. Am Sonntag wird das Leid nicht weg sein, sondern wir werden uns an heute erinnern. Das Leben ist und bleibt voller Wunden. Jesus kommt nicht in strahlend weißen Gewändern. Nein, er wird erkannt an seinen Wundmalen und an den Narben. Die Wunden und Brüche sind es, die unser aller Leben einzigartig machen. Wer zu seinen Brüchen steht, ist glaubwürdig.
Karfreitag ist Mut zur bittersten Realität des Lebens.
Denn erst durch den Tod kommt das Leben!