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Kirchweih 2025 - Austreten oder bleiben?

 

Liebe Kirmesburschen, liebe Kinder,

wer von euch kann einen Papierflieger bauen? Wer traut sich, jetzt hier im Gottesdienst einen zu basteln?

Bei vielen werden da bestimmt Kindheitserinnerungen wach, oder? Am lustigsten war es natürlich immer dann, wenn der Flieger genau bis zum Kopf des Lehrers flog.

 

Erwachsene bauen nur selten Papierflieger. Erwachsene wollen stabiler bauen – auf Dauer. Zum Glück haben auch unsere Vorfahren diese Kirche nicht aus Papier errichtet, sondern aus Stein. Stabil, tragfähig, für Generationen gedacht. Unsere Kirche ist kein Einweg-Papierflieger, sie ist eher ein Langstreckenflugzeug – gebaut, um weit zu fliegen.

 

Auf ihrem langen Flug durch die Geschichte hat die Kirche schon manche Turbulenz erlebt. In der Reformation schien es, als sei der Absturz unausweichlich. In der Aufklärung wurden viele Gläubige hart auf die Probe gestellt. Und in der Zeit der DDR glaubten nicht wenige, die Kirche habe für immer ausgedient. Immer wieder wurde dieses Langstreckenflugzeug durchgeschüttelt – und doch flog es immer weiter. Vielleicht mit Beulen im Rumpf, mit Dellen an den Flügeln, aber immer weiter – entgegen aller Prognosen.

 

Nicht nur von außen wurde die Kirche durchgeschüttelt. Sie hat auch selbst – im übertragenen Sinn – Bomben auf ihrem Flug geworfen, die gesellschaftliche Brände verstärkten oder gar entzündeten. Gewalt, Machtstreben und Egoismus sind Teil ihrer Geschichte und auch ihrer Gegenwart. In der Kabine geht es eben nicht immer so heilig zu, wie es unser Glaubensbekenntnis wünschen ließe. Die einen sitzen in der First Class, andere schuften in der Holzklasse. Und die Kritik an den Piloten reißt nicht ab.


Turbulenzen von außen und von innen.  Und doch: Wir alle sitzen im selben Flugzeug.
Wir haben dasselbe Ziel. Es ist unsere Kirche – trotz aller Schäden, trotz mancher Schieflage, trotz aller Gegenwinde.

 

Doch nun geschieht etwas Neues: Immer mehr Passagiere kommen auf die Idee, ihren Frust dadurch zu zeigen, dass sie ihr Flugticket nicht mehr zahlen wollen.

Ich meine nicht diejenigen, die sich bewusst entscheiden, beim nächsten Zwischenstopp auszusteigen. Das kann eine bewusste und reife Entscheidung sein.
Ich meine jene, die gern weiter mitfliegen, ihren Stammplatz genießen, sich den Sekt bringen lassen – aber als Protest gegen die Missstände die Ticketzahlung aussetzen.

 

Die Crew an Bord diskutiert: Wie gehen wir mit diesen Menschen um? Natürlich werfen wir niemanden über Bord – das widerspräche unseren moralischen Standards. Und natürlich verstehen wir viele Sorgen und Motive. Aber wenn es so weitergeht, wird uns irgendwann der Treibstoff ausgehen. Was also tun, wenn immer mehr mitfliegen wollen, ohne ihren Anteil beizutragen?

 

Sie ahnen, worum es geht: um die vielen Kirchenaustritte.

-      Da sind Eltern, die ihr Kind taufen lassen möchten, obwohl beide längst ausgetreten sind.

-      Da sind Brautpaare, die kurz nach ihrer kirchlichen Hochzeit den Austritt erklären (obwohl sie die Hochzeit selbst in den höchsten Tönen lobten und sehr zufrieden waren) – manchmal kommen die Dankeskarten und der Bescheid vom Einwohnermeldeamt am selben Tag.

-      Da sind Familien, deren Kinder regelmäßig an finanziell massiv geförderten Wochenenden teilnehmen, während die Eltern selbst keine Kirchensteuer mehr zahlen.

-      Oder Jugendliche, die zur Firmung antreten, weil Mama wohl gesagt hat: „Mach’s ruhig, austreten kannst du ja später immer noch.“

 

Viele dieser Beweggründe sind nachvollziehbar. Wir haben als Kirche Vertrauen verspielt, Menschen verletzt und enttäuscht. Insbesondere manch Unternehmerin oder manch Selbstständiger müsste sehr viel Kirchensteuer zahlen. Manche geben ihren Antel dann lieber als Spende an die Gemeinde vor Ort. Andere engagieren sich so sehr, dass sie sagen: ich tue genug für die Kirche. Ich muss nicht auch noch Steuern für sie zahlen. All das ist kostbar, das verdient Respekt. Kurz: Die Ursachen so manchen Kirchenaustritt sind verständlich.

 

Aber die Konsequenzen dieser Entwicklung sind uns oft nicht bewusst. In den letzten zwanzig Jahren schien alles weiterzugehen wie bisher. So kam das Gefühl auf: ob ich austrete oder nicht, es ist ja sowieso genug Geld in der Pfarrkasse. In den kommenden zwanzig Jahren aber wird uns der Kerosinvorrat spürbar schrumpfen. Unser Bistum muss bis 2030 etwa 20 bis 30 Prozent seiner Ausgaben einsparen. Das bedeutet: Wir können nicht mehr einfach weiterfliegen wie bisher, wenn immer mehr Passagiere ohne Ticket an Bord sind. Ja, wir wollen alle Kinder taufen, alle zur Firmung gehen lassen, alle Brautpaare verheiraten, alle Jugendliche mit zum MCH-Wochenende nehmen - aber wird der Treibstoff auf Dauer für all das reichen, wenn ein immer größer werdender Teil der Gläubigen die von ihnen genutzten Angebote nicht mitbezahlen?

Die Ursachen für Austritte sind verständlich.
Die Konsequenzen aber werden erst sichtbar, wenn es zu spät ist.

 

Wenn wir heute unsere Kirchen feiern, dann sagen wir Danke an alle, die sich einbringen. Ein Dankeschön geht an euch Kirmesburschen, an euch Ministrantinnen und Ministranten, an euch Musikerinnen und Musiker, an die Küster, diejenigen, die Blumen bereitstellen und sauber machen. Euch wird zwar nicht oft genug gedankt, aber doch immer mal wieder. Ein ganz besonderes Dankeschön geht heute aber auch an diejenigen von euch, denen eigentlich nie gedankt wird; die sich ganz still finanziell einbringen, an diejenigen, die Mitglied unserer Kirche sind. Auch ihr haltet den Laden am Laufen, ihr sorgt für neues Kerosin und ermöglicht das Leben unserer Kirche. Heute habt ihr Kirchensteuerzahler und Spenderinnen euch einen Applaus verdient.



Es ist unsere Kirche.

Sie wird weiterfliegen, wenn jeder von uns seinen Beitrag dazu leistet.

Nein! Sie wird weiterfliegen, weil Jesus uns im Evangelium dieses Versprechen gegeben hat.